Abrechnung Lupenbrille DentalmikroskopMit den Abrechnungsmöglichkeiten bei der Verwendung einer Lupenbrille oder eines Dentalmikroskops erscheint heute ein spezieller Artikel. Wir sind sehr froh, dass wir hierzu eine absolute Expertin als Gastautorin gewinnen konnten. Hierbei handelt es sich um Melanie Diwisch (weitere Infos zu Frau Diwisch finden Sie am Ende des Artikels).

Berechnung der Lupenbrille

Die Anwendung einer Lupenbrille zur Qualitätsverbesserung stellt keine selbstständige Leistung dar und ist mit der zu Grunde liegenden Leistung (§4 Abs.2 GOZ) abgegolten.

Die Höhe des Steigerungsfaktors sollte daher nach §5 Abs. 2 GOZ angemessen bestimmt werden.

Für die Überschreitung des 3,5-fachen Satzes ist nach §2 Abs. 1 und 2 GOZ mit dem Patienten eine vorherige abweichende Vereinbarung über die Höhe der Vergütung zu treffen.

Diese Möglichkeit wird nach meiner Erfahrung selten bis nie genutzt.

 

Berechnung des Dental-Mikroskops

0110

Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops bei den Leistungen nach den Nummern 2195, 2330, 2340, 2360, 2410, 2440, 3020, 3030, 3040, 3045, 3060, 3110, 3120, 3190, 3200, 4090, 4100, 4130, 4133, 9100, 9110, 9120, 9130 und 9170.

Der Zuschlag nach der Nummer 0110 ist je Behandlungstag nur einmal und nur mit dem einfachen Gebührensatz berechnungsfähig.

Ausnahme: Vereinbarung nach § 2 Abs. 1 GOZ / hier gibt es in der GOZ (anders als in der GOÄ) kein Verbot, die Zuschläge frei zu vereinbaren. Leider wird diese Möglichkeit zu selten genutzt. Eine Abrechnung der 0110 bei einer anderen als den oben genannten GOZ Leistungen ist nicht möglich. Eine Vereinbarung der Leistung 0110 mit einem gesetzlich versicherten Patienten ist nur dann möglich, wenn auch die passende GOZ Ziffer abgerechnet wird, da der Zuschlag untrennbar mit der Leistung verknüpft ist.

Im fachärztlichen Bereich kommt die GOÄ-Nummer

Ä440

Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops bei ambulanten operativen Leistungen (auch hier nur bei bestimmten Leistungen anzuwenden) zum Tragen.

Anders verhält es sich bei Behandlungen, bei denen die diagnostische Anwendung eines Mikroskopes zwingend Voraussetzung ist.

Beispiel: Vor einer Wurzelkanalbehandlung als intrakoronale und intrakanaläre Suche nach Frakturen, Sprüngen, Rissen, Obstruktionen uvm.

Bei dieser Leistung handelt es sich um eine medizinisch notwendige, selbstständige zahnärztliche Leistung, die weder in der GOZ noch in der GOÄ beschrieben ist. (siehe Beschluss LZK BW vom 15.04.2015)

Somit ist diese Leistung nach §6, Abs.1 GOZ analog zu berechnen.

Melanie Diwisch
Melanie Diwisch

Melanie Diwisch (Praxismanagerin)

Seit 2009 selbstständig im Bereich der zahnärztlichen und mkg-chirurgischen Abrechnung.

Meine Kolleginnen und ich bieten Ihnen zuverlässige und kompetente Abrechnungsunterstützung zu allen zahnmedizinischen, kieferorthopädischen und mkg-chirurgischen Fragestellungen (BEMA/EBM/GOZ/GOÄ). Auch im Bereich der Laborabrechnungen (BEB/BEL) unterstützen wir Sie tatkräftig.

Ebenso betreuen wir viele verschiedene fachärztliche Gruppen. Bei weiteren Fragen, schauen Sie gern auf unserer Homepage www.medi-zahn.de vorbei oder kontaktieren uns unter: info@medi-zahn.de. 

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Vielen Dank für diese Abrechnungshilfe!

    Zu folgendem Zitat aus dem Text habe ich eine technische Verständnisfrage:
    „Beispiel: Vor einer Wurzelkanalbehandlung als intrakoronale und intrakanaläre Suche nach Frakturen, Sprüngen, Rissen, Obstruktionen uvm.“

    Wie soll das technisch gehen, mit einem OP- Mikroskop in – zudem meist gekrümmten – Wurzelkanälen erfolgversprechend nach Frakturen, Sprüngen oder gar Rissen zu suchen?
    Licht breitet sich halt nur geradlinig aus.

    Antworten
    • Ich spiele den Ball an Frau Diwisch weiter!

      Antworten
      • Guten Morgen Herr Ponert und Herr Riefenstahl,
        Danke für den Ball, aber leider bin ich (wie Sie wissen) weder Zahnarzt, noch Mikroskopentwickler. Daher kann ich zu den technischen Details verständlicherweise nichts sagen. Die Formulierung wurde auch von einem zahnärztlichen Kollegen (Dr. Peter Klotz) empfohlen und gilt als Beispiel. D.h. natürlich kann man die Formulierung anders (und vielleicht medizinisch korrekter) wählen….
        Aber hier noch einige aktuelle Stellungnahmen zu dem Thema, vielleicht hilft das weiter?
        Quelle: juradent
        Amtgericht Ludwigsburg: Sachverständig beraten hat das Amtsgericht (AG) Ludwigsburg mit Urteil vom 28.03.2017 (Az.: 8 C 1040/16) bestätigt, dass es sich bei einer eigenständigen intrakoronalen und intrakanalären Diagnostik (IKD) um eine selbständige zahnärztliche Leistung handelt, die gemäß § 6 Abs. 1 GOZ mit einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung analog berechnet werden kann (vorliegend GOZ-Nr. 2440a).
        Der Sachverständige hat dazu dargelegt, dies sei abzugrenzen davon, dass das Mikroskop nur unterstützend bei der OP eingesetzt werde, was durch den Ansatz der GOZ-Zuschlagsnummer 0110 abzurechnen sei.
        In der zugrunde liegenden endodontischen Behandlung konnte hingegen durch die mikroskopische Darstellung der Gestalt, Lage und Geometrie der bereits bekannten Wurzelkanäle zusätzlich ein bisher nicht diagnostizierter akzessorischer Kanal gefunden und verfüllt werden. Dies rechtfertige eine selbständige Berechnung des Mikroskopeinsatzes.
        Der Sachverständige hat weiter dargelegt, dass die selbständige Abrechnung des IKD-Verfahrens pro Diagnostik erfolgt und demnach die Ziffer nur 1 Mal in Ansatz gebracht hätte werden dürfen. Der Umstand, dass bei dem Beklagten insgesamt 3 Kanäle untersucht wurden, rechtfertigt nicht den dreimaligen Ansatz des IKD-Verfahrens, da dieses nicht pro untersuchtem Kanal, sondern pro Diagnostik in Ansatz zu bringen ist.
        Der Umstand, dass insgesamt 3 Kanäle untersucht wurden, sei beim Steigerungsfaktor zu berücksichtigen, da sich dies letztendlich auf den betriebenen Zeitaufwand auswirke, sodass der Sachverständige den angesetzten Steigerungsfaktor von 2,5986 für angemessen erachtete.
        Beschluss der LZKBW (ein Auszug)
        Daneben haben sich im Rahmen der Entwicklung der „Microdentistry“ jedoch auch neue, eigenständige Behandlungsmaßnahmen entwickelt, bei denen das Mikroskop nicht unterstützend wirkt, sondern zwingende Voraussetzung zur Durchführung einer diagnostischen Leistung darstellt, die ohne OP-Mikroskop gar nicht durchführbar wäre. Eine solche Maßnahme stellt z.B. die mikroskopische Suche nach Dentinfrakturen bei unklarer Schmerzsymptomatik eines Zahnes oder die mikroskopische intrakoronale und intrakanaläre Diagnostik (IKD) dar, wenn ohne diese Diagnostikmaßnahme eine ordnungsgemäße Behandlung nicht möglich wäre.
        Dies trifft z.B. auch dann zu, wenn die später aufzubereitenden Wurzelkanäle infolge von Verkalkungen oder anderweitigen anatomischen Besonderheiten (z.B. intrakanaläre Ramifikation) nicht aufbereitbar sind. Eine solche IKD kann insgesamt vor der Wurzelkanalbehandlung oder aber auch im Verlaufe der Behandlung (z.B. bei Behandlungsstillstand durch versperrte Wurzelkanäle) medizinisch notwendig sein.
        Bei der mikroskopgestützten intrakoronalen und intrakanalären Diagnostik handelt es sich um eine medizinisch notwendige, selbständige zahnärztliche Leistung, die weder in der GOZ noch in der GOÄ beschrieben ist. Diese Maßnahme ist nach § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen.

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